Stadtkirche (Lageplan)
Lenzburg gehörte bis 1565 zur Kirche auf dem Staufberg. In der Stadt gab es lediglich eine Kapelle. Diese wurde nach dem Stadtbrand von 1491 in der Nordwestecke der mit Mauer und Graben umgebenen Stadt neu errichtet.
1667/68 wurde die Kapelle durch die heutige frühbarocke Saalkirche ersetzt, in deren Ostmauer der bereits 1601/02 errichtete Kirchturm schiefwinklig hineinragt. 1760/63 Einbau der Empore sowie der Orgel von Johann Konrad Speisegger mit Rokokoprospekt. Zugleich versah Jacob Mäusburger die Stadtkirche mit einer Stuckdecke im Stil zwischen Régence und Rokoko.
1973 wurde die Orgel im bestehenden Prospekt durch ein neues Instrument ersetzt. An der Nordwand finden sich Grabdenkmäler für im zweiten Villmergerkrieg von 1712 gefallene bernische Offiziere. 1938 wurden die Fenster in der Ostwand mit Glasmalereien von Paul Zehnder geschmückt. Der Taufstein von 1763 aus Marmor stammt vom Berner Möbelschreiner Mathäus Funk, der Abendmahlstisch um 1670 in Alabaster von Hans Henz.
Die Stadtkirche steht seit 1960 unter eidgenössischem und kantonalem Denkmalschutz.
Bauten in der Altstadt
Rathaus (Lageplan)
Wohl seit der Stadtgründung (1306 wurde Lenzburg das Stadtrecht verliehen) stand an dieser Stelle das Rathaus. Das beim Stadtbrand von 1491 zerstörte und wieder aufgerichtete Rathaus war bereits im 17. Jahrhundert wieder baufällig.
Das Rathaus wurde 1676/77 und 1692 ff. in zwei Etappen an der Stelle seines mittelalterlichen Vorgängers nach einheitlichen Plänen errichtet. Zuerst 1677 der Ostflügel samt Mittelteil und Turm, von 1692 bis 1700 der Westflügel. Der barocke Bau ist bündig in die Häuserfassade eingefügt. In der Mitte wird das Rathaus durch einen in die Gasse ragenden schlanken Turm geteilt.
Diese Unterbrechung durch die Verlängerung des auf jedem Stockwerk vorhandenen Mittelgangs verdeutlicht die in zwei Etappen gebauten Gebäudehälften.Die Fassade zu beiden Seiten des Turms wird durch den Dreierrhythmus der hohen Doppelfenster bestimmt, deren Fenstergewände, mit Ohren und wulstig profilierten Bänken, von rahmenden Leisten umfasst und von einem flach geschwungenen Segmentgiebel bekrönt sind. Während die Fenster die waagrechten Linien am Bau hervorheben, betont der Turm die Senkrechte: Die Traufhöhe des Hauses um ein Geschoss überhöhend, endet er in einem barocken Helm mit vier volutenumsäumten Uhrgiebeln, aus denen sich, durch eine offene Laterne durchbrochen, eine schlanke achtseitige "welsche Haube" hebt.
Im 19. Jahrhundert war es Mittelpunkt der aufblühenden Theater- und Konzertkultur, bevor 1844 der Alte Gemeindesaal errichtet und 1864 zu einem Theatersaal erweitert wurde. Eine besondere kunstgeschichtliche Rarität ist die Rixheimer Tapete von 1815 im Sitzungszimmer im 2. Stock. Es ist eine handbedruckte Tapete aus der Manufaktur Jean Zuber in Rixheim, Elsass, welche eine Schweizer Landschaftsphantasie zeigt. Im Übrigen sind die Innenräume von der Renovation von 1940/41 geprägt. Das Rathaus steht seit 1960 unter kantonalem Denkmalschutz.
Einige Häuser der Rathausgasse sind von den spätgotischen Bauformen des 17. Jahrhunderts gekennzeichnet, andere sind von barocken Formen geprägt. Speziell erwähnt sei hier das Haus Rathausgasse 31, ein dreiachsiger Bau aus dem Jahre 1728 mit einem in der Mitte vorgebauten Erker und einer aus Muschelkalkplatten gefügten Fassade.
Stadtbibliothek (Lageplan)
1638 wurde an dieser Stelle zusammen mit dem Turm des Unteren Tores der Spittel für Kranke und Gebrechliche errichtet. Dieses offenbar baufällige Gebäude wurde 1792/93 im Übergang Barock-Klassizismus durch den heutigen Bau ersetzt.
Die lateinische Inschrift über der Tür asylum si cogit egestas (Zuflucht, wenn die Not zwingt) verweist auf den Zweck des Gebäudes, das in einer Zeit ohne AHV, IV und Krankenversicherung den Gebrechlichen und Notleidenden eine Bleibe bot. Nachdem die ersten Bauten des Alterszentrums "Obere Mühle" zur Verfügung standen, wurde das Gebäude 1964 für die Stadtbibliothek umgebaut, die vordem im KV-Schulhaus untergebracht war.
An die geschlossene Mauerfläche rechts der symmetrisch mit Fenstern versehenen Fassade zur Kirchgasse war das 1841 abgebrochene Untere Tor angebaut. Von diesem stammt die hier angebrachte steinerne Löwenfratze. Das Haus steht seit 1960 unter kantonalem Denkmalschutz.
Ehemaliges Amtshaus (Lageplan)
Das Amtshaus wurde in den Jahren 1844/45 an Stelle der städtischen Metzg (Schlachthaus) errichtet. Diese war 1844 im Erdgeschoss des Alten Gemeindesaals am Metzgplatz neu erstellt worden. Das Amtshaus diente fast ein Jahrhundert lang den Bezirksbehörden (Kantonspolizei, Bezirksamt, Bezirksgericht).
Später beherbergte es die Galerie Rathausgasse sowie die Büros der Amtsvormundschaft der Stadt und des Bezirks. Heute wird das Erdgeschoss von der Stadt als Forums- und Ausstellungsraum angeboten. Die Obergeschosse sind als Büros und Wohnungen vermietet.
Das spätklassizistische viergeschossige Haus mit drei Fensterachsen ist in der Gebäudemitte mit einer quer durchgehenden Halle mit dreiläufiger Treppe aufgeteilt. Der öffentlichen Bedeutung entsprechend ist das Erdgeschoss mit einer Vorhalle gegen die Hauptgasse geöffnet, zudem ist seine Dachtraufe gegenüber den angrenzenden Bürgerhäusern deutlich höher angesetzt. Das Gebäude steht seit 1976 unter kantonalem Denkmalschutz.
Alter Gemeindesaal (Lageplan)
1843 fielen die Ringmauern, um dem im Jahre 1844 erbauten Theater-, Metzg- und Spritzenhaus Platz zu machen. Es war der erste empfindliche Eingriff in die bis dahin geschlossene Stadtanlage. 1864 Erweiterung des Mehrzweckgebäudes nach Süden mit Saaleinbau im Obergeschoss im romantischen Münchner Klassizismus mit einer dekorativ bemalten Decke. Sie wurde bei der Renovation des Gebäudes 1983 wieder entdeckt und restauriert und steht seit 1984 unter kantonalem Denkmalschutz.
Der Gemeindesaal war bis Mitte des 20. Jahrhunderts politisches und kulturelles Zentrum der Stadt. Nach der Einweihung des neuen Kronensaals im Oktober 1953 verfiel das Gebäude zusehends, diente nur noch als Lager und wäre beinahe abgerissen worden.
1983/84 wurde der Alte Gemeindesaal restauriert, die Arkaden im Erdgeschoss wurden geöffnet. Seither wird das Gebäude von der Öffentlichkeit, von Vereinen und Privaten wieder rege für Konzerte, Theater und Veranstaltungen genutzt. Die Arkaden beherbergen in den Wintermonaten den Wochenmarkt.